ENTWICKLUNGSDIAGNOSTIK BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN
ENTWICKLUNGS-DIAGNOSTIK BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN
WIR FÜHREN FOLGENDE ENTWICKLUNGSDIAGNOSTIK BEI KINDERN UND JUGENDLICHEN DURCH
Die klinisch-psychologische Diagnostik im Kindes- und Jugendalter hat die spezifische Zielstellung, psychische und psychosomatische Störungen, damit verbundene Probleme (Auslöser) und persönliche Entstehungszusammenhänge zu erkennen, zu beschreiben und zu verstehen. Der zentrale Schwerpunkt liegt auf dem Entwicklungsaspekt. Diese entwicklungsbezogene Perspektive bezieht Dynamik statt Stabilität, psychosozialen Kontextbezug (Familie, Schule, Gleichaltrige), systemische Aspekte von Entwicklung (Bindung, Beziehung), Entwicklung verschiedener Funktionssystem (zum Beispiel Motorik, Sprechen und Sprache) ein. Bezüglich der Klassifikationssysteme wird an dieser Stelle auf die Ausführungen zur Diagnostik im Erwachsenenalter verwiesen.
Entwicklungsdiagnostik neuromentaler Entwicklungsstörungen (ICD-11)
- Autismus-Spektrum-Störung
- Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung
- Störung der Intelligenzentwicklung
- Lernentwicklungsstörungen (z. B. Lese- und Rechtschreibstörung, Dyskalkulie)
- Entwicklungsstörungen der motorischen Koordination (Grobmotorik, Feinmotorik, Visuomotorik, Graphomotorik)
- Primäre Tics und Tic-Störungen
- Sekundäre Neuromentale Entwicklungsstörungen bei genetischen Ursachen (genetische Syndrome) oder erworbenen Ursachen (entzündliche, metabolische oder immunologische Erkrankungen des ZNS)
Neuropsychologische Entwicklungsdiagnostik im Rahmen anderer Störungen/Krankheiten (ICD-11)
- Störung der psychischen Entwicklung, assoziiert mit pränataler Alkoholexposition (Fetale Alkohol-Spektrum-Störung, FASD)
- Leichte kognitive Störungen (bei krankheitsbedingtem Leistungsabfall kognitiver Funktionen) bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS) [Epilepsien; Enzephalopathien im Zusammenhang mit Metabolischen Störungen, Blutbildungsstörungen, Neoplasien des ZNS, Traumatischen Hirnverletzungen]
Diese neuropsychologische Entwicklungsdiagnostik ist lediglich Bestandteil einer umfassenden Diagnostik, deren Basis immer eine medizinisch-organische Diagnostik ist.
Neuropsychologische Diagnostik krankheitsbedingter kognitiver Funktionsbeeinträchtigungen (Intelligenz, Aufmerksamkeit, Exekutive Funktion, Gedächtnis, wahrnehmungsbezogene Fähigkeiten, soziale Kognition) und die Diagnostik affektiver Regulation in der Regel in Bezug zu schulischen Lernanforderungen (Lernentwicklungsstörungen).
Störungsspezifische Diagnostik (ICD-11)
- Angst- und furchtbezogene Störungen
- Affektive Störungen (z. B. depressive Störungen)
- Zwangsstörungen oder verwandte Störungen
- Spezifische Belastungs-, assoziierte Störungen (z. B. Posttraumatische Belastungsstörung, komplexe Posttraumatische Belastungsstörung)
- Fütter- oder Essstörungen [z. B. vermeidend-restriktive Nahrungsaufnahme (ARFID), Binge-Eating, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa; nicht klinisch – Orthorexia nervosa]
- Ausscheidungsstörungen (Enuresis, Enkopresis, Stuhlretention/funktionelle Obstipation)
- (Psycho-) Somatische Belastungsstörung
- Störungen der Impulskontrolle
Disruptives Verhalten oder dissoziale Störungen (ICD-11)
- Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem und aufsässigem Verhalten mit und ohne Reizbarkeit und Wut
- Störungen des Sozialverhaltens mit dissozialem Verhalten mit Beginn in der Kindheit bzw. Jugend
Bindungs- und Systemdiagnostik (Familiendiagnostik)
Eine Bindungs- und Systemdiagnostik verbindet: individuelle Bindungsentwicklung des Kindes, familiäre Muster und Strukturen, wechselseitige Einflüsse
- Bindungsstile
- Regulationsfähigkeit
- Interaktionsmuster (Feinfühligkeit, Containment, Responsivität)
- Beziehungsqualität und Kommunikationsmuster
- Belastungs- und Schutzfaktoren
- Transgenerationale Einflüsse
Begabungsdiagnostik
Eine Begabungsdiagnostik hat das Ziel, die besonderen kognitiven Fähigkeiten, Talente und Leistungsmöglichkeiten einer Person zu erfassen. Ausgehend von einem mehrdimensionalen Bild von Begabung werden intellektuelle Fähigkeiten (domänenspezifisches Intelligenzprofil), andere kognitive Fähigkeiten (Aufmerksamkeit, Denk- und Problemlösungsfähigkeiten) sowie extraintellektuelle Faktoren (Motivation, emotionale und soziale Kompetenzen, Arbeits- und Lernverhalten, Persönlichkeitsmerkmale) diagnostisch erfasst.