Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie


Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gehört zu den „Richtlinienverfahren“ und wird von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen.

Im Grunde und sehr vereinfacht beschrieben meint „tiefenpsychologisch fundiert“, dass sich die Psychotherapie zuvorderst nicht auf Symptome (Krankheitszeichen) richtet, sondern auf die Frage: „Warum und unter welchen biographischen Bedingungen diese Symptome bei diesem Menschen im Lebenslauf entstanden sind?“

Es geht um Ursachen und Bedeutung von Symptomen in einem „tieferen“ Zusammenhang, insofern das Geschehen „tiefer“ in der Psyche eines Menschen und „tiefer“ in seiner Lebensgeschichte verankert sein kann.

Symptome, egal ob zum Beispiel Ängste, Depressionen, Zwänge, psychosomatische Symptome (zum Beispiel körperliche Schmerzen ohne organischen Befund) o.a., werden als Zeichen individueller Befindlichkeiten verstanden, deren Verursachung dem Betroffenen bewusst oder auch nicht bewusst sein kann.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie richtet sich auf das Bewusstwerden und Bewusstmachen von Zusammenhängen in der Gefühls-, Bedürfnis- und Denkweise des Menschen, sie richtet sich auf Veränderung von Denk- und Verhaltensweisen bzw. Bedürfnislagen, die zur Verbesserung des Krankheitszustandes (Heilung) führen können.

Ziel einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie ist dabei nicht eine grundlegende „Umstrukturierung des Menschen“ und auch keine umfassende Analyse seines bisherigen Lebens, sondern es ist angezielt, bestimmte womöglich ungünstige Lebensumstände und entsprechende persönliche Haltungen, Denk- und Fühlweisen bzw. Bedürfnislagen soweit zu verändern, dass die Probleme und damit verbundene Symptome durch eine möglichst gezielte Behebung der Ursachen nicht mehr entstehen müssen.

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie basiert im Grund auf der Psychoanalyse, die von Sigmund Freud Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde. Psychoanalyse ist jedoch kein einheitliches Behandlungsverfahren, sondern eine Gruppe von therapeutischen Ansätzen und Methoden. Schon formal im Setting unterscheidet sich die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von der Psychoanalyse. Sie dauert nicht mehrere Jahre, wie die Psychoanalyse, sondern umfasst derzeit nach der Phase der sogenannten Probatorik (also der biographischen Erhebung, der Krankheitsanamnese und eventuell der Anwendung von Testverfahren) 12 oder 24 Sitzungen. Die Sitzungsfrequenz ist vom individuellen Bedarf der Patienten und der Kapazität der Praxis abhängig. Auch liegt der Patient nicht auf der „bekannten Couch“, wie in der Psychoanalyse, sondern es werden Gespräche in gemütlicher Atmosphäre geführt.

Neben der Einzeltherapie gibt es die Möglichkeit einer tiefenpsychologisch fundierten Gruppenpsychotherapie. Hier wird in gemeinsamer Absprache nach der Psychodiagnostik festgelegt, was sinnvoll ist. Die Teilnehmerzahl liegt bei ca. 5 Personen pro Gruppe. Der Vorteil dieses Behandlungsansatzes besteht darin, dass das Gruppengeschehen und das gemeinsame Erleben in der Gruppe die Konfliktentstehung und -wahrnehmung, die eigenen Denk- und Verhaltensweisen bzw. Bedürfnislagen der Teilnehmer, die zur Verbesserung des Krankheitszustandes (Heilung) führen, im gemeinsamen Veränderungsprozess beschleunigt und gefördert werden können.

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